AUSSTELLUNGEN | exhibitions

MARKUS BALDEGGER - Öl und Tempera auf Leinwand und Holz


FELIX BÜCHEL - organische Pigmentpräparation auf Leinwand


EVA OHLOW – mixed media auf Stahlblech, Acrylglas und Folie


CHRISTIAN DE WULF - Polyurethan, Expoxidharz u.a. auf Leinwand


… finishing lines

Ausstellung finishing lines … in der  

HLP Galerie, Sonntag, 8. September 2019

Bildschirmfoto 2019-09-01 um 16.11.26.png

 

 

 

…. finishing lines

Bei aller äußeren Unterschiedlichkeit lassen sich doch die Werke der Künstler unserer diesjährigen Herbstausstellung mit dem Begriff ’prozesshafte Kunst‘ beschreiben. Bei Markus Baldegger, Felix Büchel, Eva Ohlow und Christian de Wulf ist das Endprodukt ihrer Kunst nämlich nicht das Ergeb-nis gestischen  Malens, eines spontanen, kurzen, gestischen Umgangs mit der Materie, sondern das eines Arbeitens über einen längeren oder langen Zeitraum. Die Ziele, die ‚finishing lines‘ dieser wie immer in unterschiedlichen Räumen aus-gestellten Künstler sind jedoch grundverschieden.

Den Schweizer Künstler Markus Baldegger (Jahrgang 47‘) hatte die Galerie bereits im Herbst 2016 in einer umfangreichen Präsentation neuerer Arbeiten ausgestellt. Die zeigten im Vergleich zur Monochromität der Vorjahre eine ungewohnte Vielfarbigkeit, wobei jede Farbschicht noch als solche erkennbar blieb. Weiter setzte Baldegger damals auf diesen vielschichtigen Untergrund mit einem zeichnerischen Gestus ein Netzwerk meist bewegter und einem bestimmten Rhythmus gehorchender Linien, Punkte oder serieller Notate, was den Bildern eine große Lebendigkeit verlieh. Während der Ausstellung brach in seinem Atelier ein Brand aus, der die meisten der dort lagernden Bilder vernichtete oder schwärzte …. ein Ereignis, das den Künstler Baldegger an die Grenzen seiner Existenz brachte. Er wollte und konnte nicht ein-fach weitermachen wie bisher. Der Besuch einer Morandi-Retrospektive ließ sozusagen den Knoten platzen, Baldegger begann seine Kunst neu zu buchstabieren, benutzte versengte alte Arbeiten, um sie abzuwaschen und auf den Untergrund, der jetzt einen Palimpsest-Charakter hatte, Konturen von Gegenständen seiner Alltagswirklichkeit zu setzen. Und das dann auch auf die geretteten Leinwände: Das Zusammenspiel des anspruchsvollen ’Vorher‘, das sich eher einem spirituellen Ursprung verdankte, mit einer neuen, womöglich vorläufi-gen Art brut macht den Reiz  des neuen Baldegger’schen Vo-kabulars aus.

Der genau 40 Jahre jüngere Felix Büchel, der erst im vorigen Jahr sein Diplom als Meisterschüler von Herbert Brandl an der  Kunstakademie Düsseldorf absolvierte, schafft es, dass der Prozess seine Malerei im Sinne des Wortes transparent wird. Die Kunstkritikerin Bettina Haiss meint, dass Büchel in seiner Auseinandersetzung mit Farbe danach strebe, das ”Dahinter zu enthüllen”, dem Wesen der Malerei auf die Spur zu kommen. In einem Prozess von Auftragen und Abtragen bzw. Auswaschen von dünnflüssiger Ölfarbe entsteht zunächst ein vielschichtiger Untergrund von Linien und Flächen. Auf diesen setzt Büchel dann ein Gerüst von liegenden oder im Raum stehenden, lichten, asymmetrisch angeordneten Balken, wel-ches die Komposition zusammenhält. Dabei gelingt es ihm, dass die Trennung zwischen Vorder- und Hintergrund aufgeho-ben ist und sich dem Betrachter ein unendlicher Bildraum er-öffnet, mit fein abgestimmten Farbtönen und zart durchschei-nenden oder sogar leuchtenden Farbwerten.

Eva Ohlow, Jahrgang 1940, Tochter des Kleeschülers Hubert Berke, gilt als eine der vielseitigsten Künstlerinnen des deutschsprachigen Raums. Die vielen Arbeiten in öffentlichen Räumen vor allem in Deutschland und den Niederlanden belegen die ungemeine Souveränität Ohlows, mit der sie aus, mit und auf scheinbar profanen Materialien wie Kautschuk, PVC, oxidiertem Stahlblech oder Acrylglas Kunst hervorbringt. Die Werkserien der letzten Jahre wie etwa ”Die bunte Welt der schwarzen Löcher“ oder „Teilchenschauer“ befassen sich zunehmend mit einer kongenialen künstlerischen Um-setzung wissenschaftlicher Untersuchungen im Bereich der Astrophysik und Kosmologie. In einem Prozess von Einfärben,

Ritzen und Schleifen vermag Eva Ohlow hochinteressante Arbeiten zu Chaostheorien, Quantenschaum und Galaxien zu schaffen.

Das Streben des belgischen Künstlers und praktizierenden Psychotherapeuten Christian de Wulf hingegen sucht weniger Antworten auf die Entstehung des Kosmos  als vielmehr das darzustellen, was den Menschen umtreibt, was in seinem Innersten brodelt, wie er seine geheimen Wünsche und Sehnsüchte in der Auseinandersetzung mit der meist aversiven Außenwelt zu realisieren sucht.  De Wulf versucht Emotionen in visuelle Strukturen zu übersetzen. Nach verschiedenen Schichten von Acrylfarbe als ruhiger Oberfläche lässt er unter Zuhilfenahme verschiedener Media wie Epoxidharz oder Polyurethan Farbschichten explodieren; eine körnige, schaumartige Substanz quillt beispielsweise hervor, die sich an den Rändern der Leinwand zu einem dicken, schein-bar überschwappenden Wulst staut. 

Die Bildobjekte De Wulfs sind als Mindmaps zu lesen, die den Betrachter durch verschiedene Emotionslandschaften, durch Täler von Frieden und Ruhe zu Gebirgen von Wut usw. führen, ohne jedoch eine Auflösung, einen Ausweg aufzuzeigen. Unwillkürlich hat ein jeder Betrachter natürlich seine eigenen Emotionen und Assoziationen und mag zum Beispiel bei de Wulfs blutroten Bildobjekten so etwas wie Verwundung, ja rohe Gewalt assoziieren.


Afrikanische Kunst

TRIBAL ART Ausstellung

Showroom TRIBAL ART

Showroom TRIBAL ART

Es ist immer noch nicht allgemein bekannt, wie entscheidend der Einfluss der Naturvölker auf die Kunst des 20. Jahrhunderts gewesen ist.
Ein Großteil der Werke der klassischen Moderne, der deutschen Expressionisten, der Fauves, der Kubisten und Surrealisten sind ohne die Entdeckung und Kenntnis der afrikanischen und ozeanischen Stammeskunst gar nicht denkbar – Künstler wie Pablo Picasso oder Max Ernst zitieren in ihrem Werk sogar die eine oder andere afrikanische Maske und Figur aus eigenem Besitz. Ob die schlanken Bronzen eines Alberto Giacometti, die abnormen Körperformen eines Fernando Botero oder die wie geschnitzt wirkenden Portraits eines Amedeo Modigliani – sie alle sind Beispiele für diesen Einfluss, der sich dann auch bei den ’neuen Wilden’, etwa bei A. R. Penck, Walter Dahnoder Helmut Middendorf erneut aufzeigen lässt.

 

 

Der ’Wüterich’ Georg Baselitz mit seinen wenn nicht wild, so doch grob gemalten, häufig auf dem Kopf stehenden Figuren hat eine namhafte, eigene Afrika-Kollektion.

Die in mehr als vier Jahrzehnten entstandene Sammlung von Hans-Leo Petric zeigt einen Querschnitt an Stilen und Themen der großen Bildhauer des schwarzen Kontinents. Von der Geistermaske des Ibo-Volks über den Mumuye-Wächter aus Nigeria, den Trommler der Bembe des Kongo bis zur Affenmaske der in Mali ansässigen Volksgruppe der Dogon, die Sammlung, die einmal 500 Objekte umfasst hat, wird in wechselnden Präsentationen gezeigt. Das eine oder andere Einzelstück wird aber auch in der Galerie während einer Ausstellung zeitgenössischer Kunst in Szene gesetzt. Alle Exponate sind käuflich zu erwerben.